Schule/Kiga

aus HerzKinderWiki, den Hilfeseiten für Kinder mit angeborenem Herzfehler und ihren Eltern

Kindergarten

Die allermeisten "Herzkinder" können heute so früh und gut operiert werden, dass in der Regel der Besuch eines Regelkindergartens möglich ist. Die Erzieherinnen sollten trotzdem über die Vorgeschichte informiert und auf Besonderheiten aufmerksam gemacht werden. Dazu zählt besonders die körperliche Belastbarkeit des Kindes und eine Infektanfälligkeit.

Ist ein Herzkind im Kindergarten in seiner Belastbarkeit eingeschränkt, können die Erzieherinnen meist unauffällig darauf achten, dass z. B. bei längeren Ausflügen Vorsorge getroffen wird. Das kann in der Planung ausreichender Pausen oder z. B. durch die Mitnahme eines Bollerwagens für Spielgeräte sein, in der auch das Kind bei Müdigkeit Platz findet.

Gehen Kinderkrankheiten im Kindergarten um, sollten die Eltern informiert werden. Zwar wird auch ein Herzkind die üblicherweise im Kindergarten auftretenden Infektionen durchmachen, aber bei Kinderkrankheiten werden die Eltern sicher besonders aufmerksam sein. Ein ausreichender Impfschutz nach den jeweils bestehenden Empfehlungen der STIKO (http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/IMPFEN.HTM) sollte für ein herzkrankes Kind selbstverständlich sein.

Eine Medikamenteneinnahme wird während der Kindergartenzeit vermutlich eine große Ausnahme sein (sollten Haftungsbefürchtungen auftreten, ist dieser Beitrag einer Unfallkasse (http://www.ukrlp.de/news/news_anzeigen.php?id=1073040724) vielleicht hilfreich). Ist das Kind ein Schrittmacherträger müssen die Erzieherinnen ausreichend informiert sein. In zunehmendem Maße kommen Herzkinder in den Kindergarten, die auf die Einnahme eines gerinnungshemmenden Medikamentes (http://de.wikipedia.org/wiki/Antikoagulation) angewiesen sind. Das bedeutet besondere Vorsicht bei wilden Rangeleien (die natürlich nicht ganz unterbunden werden können und sollen) und die umgehende Benachrichtigung der Eltern wenn das Kind ernsthaft gestürzt ist (Gefahr von inneren Blutungen). Aber alles in allem sollte auch die Kindergartenzeit für ein Herzkind unbeschwert und natürlich sein.

Die Suche nach einem Kindergarten mit besonderem Angebot, oft in freier Trägerschaft (Montessori, Waldorf, o. ä.) liegt im Ermessen und der Lebenssituation der Eltern.

Schule

Der Besuch der örtlichen Regelschule im Grundschulbereich wird für die allermeisten Herzkinder ganz natürlich sein und sie altersgerecht eingeschult werden. Die schon im Kindergarten entstandenen Freundschaften werden weiter gepflegt und die soziale Einbindung in der Nachbarschaft und den Wohnbezirk ist nicht zu unterschätzen. Auch hier müssen die Lehrer über die Vorgeschichte informiert werden und die gleichen Rücksichten genommen werden, wie schon beim Kindergartenkind geschildert. Sportunterricht als Pflichtfach in der Grundschule wird bei vielen Herzkindern möglich sein. Bei weiterführenden Schule und mit steigender Anforderung an Sportleistungen muss für jedes Kind neu entschieden werden. Viele Herzkinder werden ganz unauffällig am Schulsport teilnehmen und auch benotet werden. Andere dürfen nach Abstimmung mit den Lehrern nach eigener Leistung teilnehmen und sind damit auch sozial eingebunden. Die extremste Form des Umganges mit einem Herzkind bezüglich Sportunterricht in der Schule ist die Freistellung. Die Benotung in diesem Fach ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich da Kultur Ländersache ist.

Die soziale Integration eines Herzkindes in der Schule ist von Anfang an besonders wichtig. Sie kann aber während der Pubertät besondere Bedeutung bekommen, auf die Lehrer, Mitschüler, Eltern und die Familie des herzkranken Kindes besonders achten sollten. Deshalb wird auch von der Schule erwartet, dass außerschulische Veranstaltungen wie z. B. Ausflüge, Landheimaufenthalte und Studienfahrten so geplant werden, dass das Herzkind daran teilnehmen kann (z. B. ins Hochgebirge oder bei Auslandsreisen der Klasse).

In jedem Fall sollte die Adresse der Eltern und des behandelnden Kinderkardiologen oder Krankenhauses für die Kinder im Schulsekretariat hinterlegt werden und jederzeit zugänglich sein, die mit einem komplexen Herzfehler leben und/oder bei denen Herzrhythmusstörungen bekannt sind oder eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten durchgeführt wird. Hilfreich zu diesen Fragen ist auch der "Leitfaden für Lehrer/innen herzkranker Kinder", der über die [IDHK (http://www.idhk.de/schriften.htm)] bestellt werden kann.

Die Frage, ob für ein herzkrankes Kind eine Sonderschule in Frage kommt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Besonders bei den Kindern, deren Herzfehler Teil eines Syndroms sind (Di-George-Syndrom, Down-Syndrom u. a.) wird diese Frage im Raum stehen. Auch für die Kinder, die aufgrund ihres Herzfehlers größere Entwicklungsverzögerungen haben, muss man sich um eine möglichst gute Förderung bemühen, die in einer Sonderschulart mit ihren in der Regel kleinen Klassen und guter Lehrerversorgung geleistet werden kann. Oft ergibt sich die Überlegung für eine Einschulung in eine Sonderschule als Fortsetzung der im Kindergartenalter begonnenen Therapien (z. B. Ergotherapie, Krankengymnastik u. a.). Bei einer Einschulung z. B. in eine Sprachheilschule oder Körperbehindertenschule sollten die Eltern aber immer auch darauf achten, dass ihre Kinder geistig bestmöglich gefördert werden. Auch wenn in diesen Schulen viele andere Dinge mit berücksichtigt werden, darf die intellektuelle Förderung nicht zurückstehen, so dass evtl. nach einigen Jahren auch ein Schulwechsel in eine Regelschule möglich ist. Die Wahl einer Schule (meistens) in privater Trägerschaft wie Montessori, Waldorf u. a. steht immer in der Entscheidung und der Wohnsituation der Eltern. Ganz wichtig ist, einem Herzkind die bestmögliche und umfassendste Schulbildung zukommen zu lassen, die den intellektuellen Möglichkeiten des Kindes entspricht um ihm später eine breite Berufswahl zu ermöglichen.

Weitere Tipps zum Schulalltag finden sich hier.

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